Eigenschaften und Zusammensetzung    
Genau wie den chinesischen haben die europäischen Kräuter bestimmte Grundeigenschaften:
Kühlende Kräuter: Zur Bekämpfung von Hitze und zur Auflösung von Giften werden Kräuter mit kühlen und kalten Eigenschaften zur Linderung ausgesucht. Mit diesen Kräutern werden Krankheitszustände behandelt, die durch Fieber und Brennen gekennzeichnet sind und abgekühlt werden müssen.

Wärmende Kräuter: Kräuter mit warmen und heißen Eigenschaften werden verwendet, um innere Organe zu wärmen, Kälte zu zerstreuen und die körperlichen Energien zu fördern. Hier handelt es sich um Krankheitszustände, die durch Frösteln, Schüttelfrost und Kraftlosigkeit gekennzeichnet sind.

Ausgleichende Kräuter: Manche Arzneimittel bzw. Kräuter agieren neutral; sie normalisieren die Körperfunktion. Sie werden in beiden oben genannten Krankheitszuständen verwendet.

Ordnungssysteme der Kräuterkunde: Alle Heilkräuter werden in zwei Gruppen eingeteilt: Kräuter 1.Ordnung, die das therapeutische Herz der Arzneien sind, und Kräuter 2.Ordnung. Während die Kräuter 1.Ordnung direkt auf die Heilung des Patienten abzielen und die am stärksten wirksamen Bestandteile einer Arznei liefern, werden sie von den Kräutern 2.Ordnung in ihrer Wirkung unterstützt.

Einteilung nach Geschmacksrichtung: Es gibt fünf verschiedene Geschmacksempfindungen: scharf, süß, sauer, bitter und salzig. Scharf schmeckende Kräuter bringen das Blut und das Qi zum Fließen und können so krankheitserregende Faktoren vertreiben (z.B. Ingwer). Bitter schmeckende Kräuter ziehen zusammen und können Qi und Blut tonisieren (z.B. Enzian). Und süß schmeckende Kräuter, wie z.B. Süßholz, stärken vor allem die Mitte (Milz und Magen) und wirken ausgleichend.

Verwendung der Pflanzen: Es werden verschiedenen Teile der Pflanze verwendet: Samen, Wurzel, Blätter oder Blüten; in chinesischen Rezepturen auch Teile von Tieren oder Austernschalen in Pulverform. Europäische Kräuter werden meist als Tee, Tinkturen oder Salben zubereitet.